Es gibt viele Neuigkeiten. Neben dieser. Weil ich jedoch so beschäftigt bin, komm ich nicht dazu sie zu erzählen. Aber jetzt.
- Ich habe auf unüblichen Weg und sehr spontan ein Praktikum in der Aussenhandelskammer von Ecuador ergattert. Bin vorbeigelaufen und hab mich vorgestellt und tatsächlich es war ein Schreibtisch frei. Da mein Uniprogramm minimal ist, habe ich tagsüber Däumchen gedreht. Und da ich nicht jeden Tag als irre Touristin durch die Stadt düsen will, sitze ich hier also nun und organisiere, telefoniere, träume und freue mich über einen tollen Ausblick über die Stadt. Hier ist allerhand los, demnächst gibts ein Golfturnier, und Ecuador bekommt Besuch vom badenwürttembergischen Jugendjazzorchester. Die reisen hier rum und ich muss mich mit drum kümmern, dass sie sich nicht verlaufen und schön am richtigen Platz auftauchen. Ausserdem findet ein einwöchiger Kongress zum Thema Solarenergie statt, wo deutsche Unternehmen Kontakte knüpfen zu möglichen Interessenten in Ecuador. Ansonsten weiss ich nach einem Business-Etikette-Seminar nun endlich wie man stilecht Hummer speist und unauffällig in der Nase popelt.
- In der Uni bekamen wir letztens Besuch von einer hübschen, schlanken Blondine, die im bauchfreien Top lächelte und Flyer für ein neues Abnehmprogramm verteilte. Begleitet wurde sie von zwei netten Damen, die den Unterricht unterbrachen, um über ihr neues Massagestudio zu informieren. Studenten dieser Uni erhalten besondere Konditionen. Das sieht man den Unterschied, während bei uns die Deutsche Bank Mintpastillen vor Klausuren verteilt und seriös auftretene Anzugträger über neueste Tendenzen in deutschen Unternehmen informieren, gilt hier ganz einfach: "Sex sells".
- Ich bin auf dem Äquator balanziert. Wie ich es versprochen habe. Und tatsächlich, es stimmt: Man wiegt dort 1 kg weniger, hat weniger Kraft und verliert leichter die Balance. Und auch der sagenumwobenene Toilettenspülstrudel wurde zur Schau gestellt, der dreht sich auf der Südhalbkugel nämlich im Uhrzeigersinn, also genau andersherum als im Norden. Genau auf der Äquatorlinie fliesst das Wasser schnurstracks nach unten ab, ohne Strudel. Mmh... Nachdem ich höchst entzückt über dieses physikalische Experiment war, kam die schmerzliche Meldung: Es ist bloss ein Trick. Wie er funktioniert, könnt ihr mir vielleicht sagen.
- Ausserdem habe ich die brutale Technik des Schrumpfkopfes bewundern dürfen und habe wie die Aucas im Dschungel Ecuadors mit einem Schilfrohr Pfeile gespuckt. Interessant: Nach traditionellem Glauben der Einheimischen dieser Gegend wird jedes Leben wiedergeboren. Daher bauen sie ihren Toten keine Särge, sondern begraben sie in Tonkrügen, da sie darin eine Fötusstellung einnehmen. Man ist also direkt vorbereitet für das Zukünftige. Brutale Nebenwirkung eines toten Mannes: Seine Frau und Kinder müssen gleich mit ins nächste Leben. Dazu braut man einen Trank, der die Unschuldigen willenlos macht. Aber keine Angst, diese Praxis gibts heut nich mehr...
- Mein Computer war krank. Er ist mir vom Bett geplumpst, der böse Junge. Deswegen musste er zum Onkel Doktor. Und zwar zum echten. Luis, mein Gastpapa, hat einen Arzt zum Freund, dessen Hobby es ist an Computern rumzuschrauben. Das macht er aber nicht etwa bei sich zu Hause, sondern hat sein Krankenhauslabor zum Technikraum erklärt. Also wartete ich brav mit meinem Baby auf dem Schoss in neonbeleuchteten Fluren, während neben mir Patienten in Birkenstock und Morgenmantel sassen. Selbst die Krankenschwester hat liebenswürdig Hilfestellung geleistet und Instrumente à la Schraubenzieher und Lötkolben angereicht. Das nenn ich Fürsorge.
- Meine Oma wäre stolz auf mich: Ich habe mich zur neuen Kuchenbäckerin der Familie gemausert, alle sind begeistert von Donauwelle, Philadelphiatorte und Schokoladenkuchen. Manchmal stimmt die Optik nicht ganz, aber auf den Geschmack kommt es ja an.
Da ich gerade meine Arbeitszeit nutze, um diese Zeilen zu tippen... mach ich mich jetzt lieber wieder schnell an die Arbeit.