Zack. Es ist passiert. Nach fast genau 3 Monaten Südamerika hat mein Hab und Gut für kurze Zeit gegen meinen Willen den Besitzer gewechselt. (sprich: Eigentümer bin immer noch ich!)
Der Tathergang:
In den letzten Wochen hab ich an allen Ecken versucht eine Gastfamilie für mich in Quito aufzutreiben. Es ist mir schließlich geglückt, aber da die gerade mal 3 Tage von meiner Existenz wussten, und ich keine Chance mehr hatte meine Mails zu checken, wusste ich nicht genau, ob ich da heute schon auftauchen kann oder erst morgen. Außerdem hatte ich noch keine Adresse. Also erstmal in nen Hostel, Gepäck verstauen.
Mmh. 2 Uhr mittags. Mit einer Handtasche mit nen bisschen Geld, Kamera und Reiseführer mach ich mich auf den Weg in die Altstadt in ein Internetcafé. Ich hatte gerade angefangen Emails zu schreiben, als ein Typ reinkommt und mich anlabert, wo denn die Toilette sei. Total komisch. Woher soll ich das wissen?
Ich dreh meinen Kopf wieder zum Computer, da wird mir auf einmal klar, das war nen Ablenkungsmanöver. Schau auf den Boden, und meine Ledertasche ist nicht mehr da. So schnell hat mein Hirn noch nie geschaltet. Ich sofort raus, schau mich um, und entdecke die Diebin, reiß ihr meine Tasche aus der Hand, schreie sie an, eine Menschentraube bildet sich. Wie im Film. Plötzlich fällt mir ein, mein Handy liegt noch am Computer. Ich wieder zurück, finde es, stopfe hektisch mein Zeug in meine Tasche, 2 Polizisten erscheinen, es werden immer mehr Menschen. Die Diebin, 40 Jahre, steht mit trotzigem Gesicht neben den Polizisten, die mich fragen, ob ich alles habe. Ja. Was ich machen will... Die Leute schreien alle: Anzeigen! Du musst die anzeigen! Ich wusste nicht so recht, schliesslich hatte ich alles, aber dann dacht ich mir, das geht so nicht, die kann nicht einfach davonkommen. Also, ab ins Auto und zum Polizeirevier.
Da klingelte dann mein Handy und Luis, der Famlienpapa war dran, wo ich wäre, er könnte mich abholen. Unser erstes Gespräch. Haha. Bin gerade dabei einen Raub anzuzeigen. Toller Einstieg. Warum ich nicht vorher angerufen hätte... Quito wär gefährlich...
Ihr glaubt nicht, was das für ein Häckmäck war. Rein ins nächste Auto, dicht gedrängt neben meiner Übeltäterin. Aussteigen, ins nächste Gebäude, immer wieder das gleiche erzählen. Gelangweilte Polizisten, die sich mit dir unterhalten. Keiner schien kompetent zu sein. Auf einem Schmierzettel wird mein Name notiert.
Bitte hierhin setzen. Warten. Nichts geschieht. Bitte mitkommen. Über die Straße ins nächste Gebäude. Weiter warten. Von einem Raum in den nächsten. Ohne irgendwas zu tun. Ich dachte, ich darf jetzt bald mal nen Protokoll aufgeben und dann nix wie weg. Also, Leute, wer sich nochmal über deutsche Bürokratie oder sinnloses Warten in überfüllten Bürgerbüros aufregt? Es geht auch schlimmer. Hier sitzen nämlich Verbrecher und Opfer nebeneinander.
Zwischendurch Luis am Telefon, der sich Sorgen macht, nicht will, dass ich das Gebäude alleine verlasse. Er würde mich in einer Std. abholen. Ok.
Wieder raus ins andere Gebäude. Warten. Wieder zurück. Der Computer ist immer noch nicht frei. (Warum gibts in ner Millionenstadt wie hier bloß einen Computer?) Der Lahmarsch von Polizist treibt schließlich nen Computer auf, braucht 1 Std. um nen Brief zu formulieren, wo Zeit, Ort und Personen auftauchen. (Noch nicht der Tathergang)... mittlerweile sind über 2 Std. vergangen. Ich müsste meine Aussage vor einem Kommissar machen. Wieder über die Straße. Wieder warten. Insgesamt weitere 2 Std. bis sämtliche übrigen übel aussehenden Gestalten ihre Delikte vorgebracht hatten. Es gibt nämlich auch nur einen Kommissar, der, wie sich später rausstellte, übelst langsam tippen kann, und dabei noch Rechtschreibfehler macht. Arg... Mein Geduldsfaden reißt langsam. Es geht auf 6 Uhr zu. Ich werde unfreundlicher, flaume den Polizisten an, dass ich schon lange genug warte. Oft im Stehen, weil sich einfach zu viele Menschen in den Räumen aufhalten. Oft ohne Grund. Irgendwelche uniformierte Personen, die nix zu tun haben.
Schließlich nach 6 Uhr, bin ich an der Reihe, muss sagen, was passiert ist und sehe ungläubig zu, was es bedeutet "Comisario" zu sein. Hinter einem Schreibtisch sitzen und stümperhaft Protokolle verfassen. Grundlage desselbigen Worddokuments bildet die Anzeige einer Ladendiebin, die Kosmetika im Supermarkt entwendet hatte. Daher woll die gelangweilte Routinefresse.
Schließlich darf ich gehen. Die Diebin, Peruanerin, wird vermutlich, so sagte man mir (ob das stimmt?) 7 Tage im Gefängnis verbringen müssen.
Hätte ich von dieser Prozedur vorher gewusst, hätte ich sie vielleicht doch laufen lassen. Schließlich straft man sich ja doch nur selber, wenn man Gerechtigkeit verlangt.
Eine gute Sache: Das Surfen im Internet war wenigstens kostenlos. Das ging so schnell, da blieb keine Zeit zum Bezahlen.
Dienstag, 31. März 2009
Samstag, 28. März 2009
Meerschweinchen in der Kühltruhe
Dass Meerschweinchen hier gegrillt und mit Kopf und Pfoten auf Tellern zum Verzehr serviert werden, ist mittlerweile kein ungewöhnlicher Anblick mehr. Es war allerdings schon ein Schock dieses konservierte Exemplar in einem Supermarkt zu entdecken. Es sieht so schrecklich eingepfercht aus. Und so nackt erinnert es an einen Embryo. Brrr....
Freitag, 20. März 2009
Machu Picchu
Das spannende Leben der Annika R. weiss weiterhin zu berichten:
Besagte Frau betrat als 62. Besucherin von ca. 2000 am 17.3.2009 besagte Inkastaette und thronte genau um 8.30 Uhr auf dem hoechsten Aussichtspunkt vom Waynapicchu mit der Nase in Nebelschwaden. Die lichteten sich aber dann und liessen einen traumhaften Blick auf die geheimnisvolle Stadt zu.
Man muss dazu wissen, es gibt unterschiedliche Wege, um das neue Weltwunder Machu Picchu zu besichtigen. Ich habe mir eindeutig den langwierigsten, abenteuerlichsten und anstrengendsten ausgesucht. Dafuer habe ich viel Geld gespart und hatte ne Menge Spass. Eine kleine Hochrechnung der 2-Tages-Tour:
Weitere lustige Eigenarten dieses Landes:
Besagte Frau betrat als 62. Besucherin von ca. 2000 am 17.3.2009 besagte Inkastaette und thronte genau um 8.30 Uhr auf dem hoechsten Aussichtspunkt vom Waynapicchu mit der Nase in Nebelschwaden. Die lichteten sich aber dann und liessen einen traumhaften Blick auf die geheimnisvolle Stadt zu.
Man muss dazu wissen, es gibt unterschiedliche Wege, um das neue Weltwunder Machu Picchu zu besichtigen. Ich habe mir eindeutig den langwierigsten, abenteuerlichsten und anstrengendsten ausgesucht. Dafuer habe ich viel Geld gespart und hatte ne Menge Spass. Eine kleine Hochrechnung der 2-Tages-Tour:
- 17 h Bus- und Taxifahrt (davon 1,5 h auf einem Benzintanker-Autodach, bedingt durch Reifenpanne gings per Anhalter weiter)
- 10 h Wandern: 2,5 h davon in voelliger Dunkelheit und halb blind Bahngleise entlangstolpernd, weitere 2,5 h davon stur bergauf Monstersteintreppen erklimmend)
- Nahrung innerhalb von 2 Tagen: 4,5 Kekse mit Peanutbutter, 3 Bananen, 5 Minibroetchen (innen hohl), 1 Portion Spaghetti Bolognese, 1 Schokoriegel, 1 Obstsalat
- 5 h Schlaf waehrend dieser sportlichen Strapazen
- 7 Weggefaehrten aus Frankreich, England, Quebec, Argentinien und Chile
- 120 Fotos, von denen die Haelfte alle das gleiche Motiv zieren, bloss von unterschiedlichen Winkeln und unter anderen Lichtverhaeltnissen aufgenommen (man weiss ja nie)
- 1 Wespenstich und 1 weiterer Stich einer unbekannten Spezie, die man bloss in diesen Hoehen ausfindig macht
Weitere lustige Eigenarten dieses Landes:
- Es ist voellig normal mit Mami oder Papi angeredet zu werden, wahrscheinlich eine Form des Respekts. Trotzdem schaute ich verdutzt drein, als ich beim ersten Einkauf mein Wechselgeld in Empfang nahm und ein "Si, gracias, Mami" zu hoeren bekam.
- Mittlerweile friert es mich sehr und ich laufe mit Strickmuetze rum. Morgen geht es auf den Titicacasee, der sich in 3800 m Hoehe befindet.
Freitag, 13. März 2009
Der Berg ruft, der Strand lacht...
Da mir sooo viel im Kopf schwirrt gibts heut ne Zusammenfassung im Grossformat. Wer mag, darf sich von Punkt zu Punkt hangeln.
Peru:
Peru:
- Anderes Land, andere Sitten, andere Leute: Der Peruaner und der Touri sind besondere Freunde, man steigt aus dem Bus aus und ist umringt von lauthalsschreienden grinsenden Personen, die dich fuer eine ihrer Touren, Hostels oder Taxis begeistern wollen. Am Anfang mag das einschuechtern, jetzt laechelt man einfach, bahnt sich einen Weg durch die Menge und sagt "No gracias". Ich mag dieses Benehmen à la weisse Frau trifft Einheimischen ganz und gar nicht. Brr.
- Bevor man allerdings die peruanischen Busse besteigt, muss man die Sicherheitskontrolle passieren. Da steht der Peruaner dem Ami in nichts nach. Vorschriftsgemaess muss jeder Fahrgast einen Fingerabdruck im vorgesehenen Feld hinterlassen. Einmal im Bus angekommen, filmt ein Mitglied der Boardcrew mit Videokamera jedes einzelne Gesicht. Hat man diese Prozedur erstmal hinter sich, wird man allerdings mit "Lassie" und "Narnia" verwoehnt. Das Filmprogramm wird kindgerecht. Richtig so. Kann auch schonmal passieren, dass man das Vergnuegen hat den Film in Endlosschleife zu schauen. Fuer die, die dich nicht aufgepasst haben. =)
- Peru ist an der Kueste sautrocken und in den Anden wunderbar gruen. Dieser Gegensatz ist krass. Das Wandern ist meine Lust geworden. Es ist irre die tollen Andenlandschaften in voelliger Einsamkeit zu erklimmen. Ich will nicht sagen, dass es mir leicht faellt, 2 Std. am Stueck immer hoeher zu steigen. Aber ich bin saustolz wenn ich schliesslich vor einem verschneiten Gipfel stehe, ihn anbruelle und mich auf 4500 m Hoehe befinde.
- In der Wueste habe wir gestern eine Oase besucht. Umrandet von Sandduenen à la Sahara findet man einen kleinen See mit Palmen zum Chillen und Ausruhen. Dort habe ich dann Sandboarding ausprobiert. Nachdem ich erste Versuche im Stehen gemacht habe, die sich aber als fatal erwiesen, weil die Bindung immer aufgesprungen ist, hab ichs mir schliesslich auf meinem Bauch gemuetlich gemacht und bin die Sandduene heruntergeduest. Yeah.
- Das Leben ist billig. Uebernachtung im Schnitt 5 $. Essen 3 $. Getraenke duerfen auch schon mal ins Restaurant mitgenommen werden, kein Problem, es werden sogar ohne Aufforderung 3 Glaeser gebracht und eingeschenkt. Den Service gibts nicht immer. Manchmal muss der LowBudget-Tourist in Kauf nehmen, dass man erst die Strasse ueberqueren muss, um auf Toilette zu gehen. Da das Hostel noch ueber keine sanitaeren Anlagen verfuegt, muss das Nachbarhostel herhalten. Fatal, wenn man nachts ein Beduerfnis verspuert. Dann heisst es schnell sein. Das Toilettenpapierproblem besteht uebrigens nach wie vor. Der schlaue Backpacker hat also immer eine Rolle dabei.
- Letzte Aktion: Ich habe eine kleine Cesna bestiegen (6 Leute) und bin eine halbe Stunde ueber die Pampa rund um Nasca geflogen, um die geheimnisvollen Zeichen voriger Erdenbewohner zu bestaunen. Man munkelt es seien Gruesse aus dem All oder ein unbekannter astronomischer Kalender. Wenn ihr mich fragt, dann gabs einfach auch schon frueher kreative Menschen. Es war auf jeden Fall ein Abenteuer. Mein Magen fand das uebrigens auch.
Genug fuer heut, der Touri streift weiter durchs Land und laesst euch alle gruessen.
Mittwoch, 4. März 2009
Sonntag, 1. März 2009
Auf den Spuren von Indiana Jones
Ueber mir springen Affen durch die Baeume, ich wate durch Matsch und Morast, es ist eine Bullenhitze, mein T-Shirt klebt, Moskitos surren, ich wate weiter, krieche unter einem Baustamm durch, bleibe im Matsch bis zum Knie stecken, erreiche einen kleinen Bach, ernaehre mich von Kakao und Guave, eine Liane streift meine Wange... es lebe das Abenteuer im ecuadorianischen Regenwald.
Nach Tagen ohne ein Lebenszeichen, in denen ich meinen Sonnenbrand und Durchfallattacken auskurieren musste, nun ein paar Zeilen. Leider kann ich keine Bilder posten. Das ist schade. Es sind tolle dabei. Ihr muesst euch gedulden.
Ich habe tatsaechlich 3 Tage im Regenwald mit Zelt gecampt. In Baechen gebadet, tagsueber geangelt und Dschungelwanderungen unternommen, bin riesigen Baeumen begegnet, deren Baumstaemme der Breite nach auf kein Foto passen und habe mich nachts von quakenden Kroeten und nervigen Muecken in den Schlaf wiegen lassen. Yeah.
Beobachtungen:
Es geht weiter nach Peru. Morgen stoesst Laura wieder zu uns. Und gemeinsam begeben wir uns tiefer ins Inkareich.
Es gruesst mit Bauchschmerzen eine sonst froehliche Annika
Nach Tagen ohne ein Lebenszeichen, in denen ich meinen Sonnenbrand und Durchfallattacken auskurieren musste, nun ein paar Zeilen. Leider kann ich keine Bilder posten. Das ist schade. Es sind tolle dabei. Ihr muesst euch gedulden.
Ich habe tatsaechlich 3 Tage im Regenwald mit Zelt gecampt. In Baechen gebadet, tagsueber geangelt und Dschungelwanderungen unternommen, bin riesigen Baeumen begegnet, deren Baumstaemme der Breite nach auf kein Foto passen und habe mich nachts von quakenden Kroeten und nervigen Muecken in den Schlaf wiegen lassen. Yeah.
Beobachtungen:
- Die Busse in Ecuador sind puenktlicher, guenstiger und schneller als die Deutsche Bahn. Welch ein Luxus. Du kommst am Terminal an, und schon schreien dir 3 Leute ins Gesicht: "Ambato", "Quito", "Cuenca"... du wirst persoenlich zum Bus begleitet (oder gehetzt) und bekommst sogar noch einen Drink und Keks gratis. Es geht in einem irren Tempo voran. Puenktlich zur Mittagszeit wird gestoppt und alle begeben sich in ein kleines Strassenrestaurant zum 2 $ Almuerzo. Unterhaltungsprogramm gibts auch. Unsere Lieblingshelden Stallone, Van Damme und Jackie Chan hetzen jedem Ganoven mit viel Schweiss und tollkuehnen Stunts hinterher. Dazu wird man mit Salsarythmen beschallt, die eher an WDR 4 erinnern, was mir jedes mal die Nackenhaare hochstehen laesst. Was will man mehr?
- Ueberall gibt es Miss-Wahlen. Gerade zur Karnevalszeit waehlt auch jeder kleinste Ort seine Favouritin. Deren Aufgabe ist es dann sich dem Volk in praechtigen Umzuegen zu praesentieren. Mit leicht eingefrorenem Laecheln wirft sie von Blumen ueberhangenen und praechtig geschmueckten Wagen Apfelsinen in die Menge. Ein Spektakel.
- Es gibt jede Menge Vulkane, nur blieb uns die Sicht bis jetzt auf speiende Gipfel verwehrt. Meistens haengen dichte Wolkendecken ueber den Bergen, so dass wir leider keine Rauchwolken sichten konnten. Schade.
Es geht weiter nach Peru. Morgen stoesst Laura wieder zu uns. Und gemeinsam begeben wir uns tiefer ins Inkareich.
Es gruesst mit Bauchschmerzen eine sonst froehliche Annika
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